Mario Herger

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Strache beim Kaiser: wo Palfrader versagte

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Strache bei Kaiser Robert I.Kaiser Robert I., alias Robert Palfrader, hatte den FPÖ-Chef H.C. Strache zur Audienz. Und das war sehr gut - und das war doch sehr schlecht.

Zuerst zum Guten: Mit seiner Rolle als Kaiser Robert I. hat Palfrader gemeinsam mit seinem Obersthofmeister Seyffenstein (gespielt von Rudolf Roubinek) ein Forum geschaffen, Politiker und Prominente einzuladen und sich über sie mehr oder weniger stark lustig zu machen. Als Narr - diesmal in verkehrter Rolle als Kaiser – konfrontiert Palfrader die Gäste mit der zumeist nur wenig schmeichelhaften öffentlichen Meinung. Im Schlagabtausch gelingt es den Eingeladenen manchmal nur schlecht, manchmal aber ganz passabel auszusteigen.

Palfrader ist dabei immer im Vorteil: er muss die Gäste nicht aussprechen lassen, lenkt ab indem er mit seinem Sidekick Seyffenstein parliert, zeigt seine „kaiserliche Wurschtigkeit“ und das  „über den Dingen Stehen“. So behält der Narr die Überhand und befriedigt sein Publikum. Manchmal gelingt es selbst einem übel Kritisierten wie beispielsweise Peter Westenthaler gut auszusteigen, weil dieser mit Schlagfertigkeit und gutem Schmäh zu kontern vermochte.

In dieser Form ist das Format einzigartig. Es war für das österreichische Publikum ein Novum, noch nie führte man Politiker und Prominente öffentlich in deren Anwesenheit so gelungen vor, wie beim Kaiser.

Jetzt zum Schlechten: der Auftritt und die Behandlung von Strache. In der Blogosphere und den sozialen Netzwerken wurde die Art, wie Palfrader mit Strache umgegangen ist, gefeiert. Das Niedermachen eines ungewohnt sprachlosen und vor sich hin grinsenden Strache befriedigte den Zorn seiner Gegner. Allerdings war die Art, wie es gemacht wurde denkbar schlecht. Palfrader war von Anfang an nicht in der Rolle des Kaisers mehr, er war nur mehr Palfrader verkleidet als Kaiser. Seine über viele Sendungen etablierte Rolle als Kaiser, der oben am Thron ja eher unberührt ist vom Alltäglichen und abgehoben kommentieren kann, brach zusammen, als die ganze Verachtung gegenüber Palfraders dem Politiker Strache gegenüber durchbrach. Das zornige Zerschneiden des Mitbringsel (ein Wahlplakat) und abschätzige Grimassen mag zwar die Gegner von Strache erheitern und zufrieden stellen, er erreicht aber bei Straches Anhängern nur ein umso stärkeres Zusammenrücken. Der Kaiser wird zum Gegner, und ist nicht mehr der abgehobene Monarch.

Jon Stewart in der US-amerikanischen The Daily Show benutzt in seiner Rolle als falscher Nachrichtenmoderator wesentlich effektivere Methoden. Durch geschickte Gesprächsführung und Einsatz eines umfangreichen Videoarchivs lässt er Politiker und Meinungsmacher sich selbst widersprechen. Das funktioniert beispielsweise so:

Stewart zeigt einen Ausschnitt von Bill O’Reilly, einem rechtskonservativer Meinungsmacher auf dem TV-Sender Fox News. Darin vertritt dieser vehement die Meinung, dass die „linke Medienmaschinerie“ die schwangere und unverheiratete 17-jährige Tochter Sarah Palins – Bristol – in Ruhe zu lassen hat und dass das Familiensache ist und mit den politischen Ambitionen der zu diesem als Vizepräsidentschaftskandidaten der Republikaner nominierten und wertekonservativen Palin nichts zu tun habe. Im nächsten Bild wird Stewart gezeigt, wie er sich sein Kinn kratzt und vor sich hin murmelt „Hmmm, das erinnert mich doch an etwas“. Im darauffolgenden Videoausschnitt wird derselbe Bill O’Reilly gezeigt, wie er ein Jahr zuvor die Schwangerschaft der damals 16-jährige Schwester von Britney Spears – Jamie Lynn – mit Aussagen über diese verkommene Familie und den Werteverfall der Gesellschaft kommentiert (siehe Nachlese auf Englisch).

Diese Technik ist immens wirkungsvoll. Nicht nur wird das eigene, dem Kritisierten misstrauisch gegenüberstehende Publikum damit bedient, auch der Anhängerschaft des Kritisierten werden die Widersprüche in dessen eigenen Worten vorgeführt. Alleine die Androhung Stewarts seinen Gästen gegenüber "Lassen Sie mich nicht mein Videoarchiv konsultieren" führt bereits zum Einlenken des Vorgeführten. Das hat bereits Sokrates in seiner Dialogtechnik (Mäeutik) hervorragend bewiesen. Als vorgeblich Unwissender bittet er den Experten bzw. die Respektperson ihm doch zu helfen, das Problem zu verstehen. Nach einer zumeist ausführlichen Antwort durch den von Sokrates geschickt Geschmeichelten, bedankt sich Sokrates um nur eine „kleine“ Frage nachzuschieben, die in Folge das durch den Geschmeichelten aufgestellte Gedankengebäude durch die darin enthaltenden Widersprüche zusammenbrechen lässt. Durch den Geschmeichelten selbst. Und das vor seinen zumeist zahlreich versammelten Anhängern.

Der Einsatz dieser Technik hätte Kaiser Robert I.  immens wirkungsvoll geholfen, H.C. Strache seinen Anhängern und Gegnern gleichermaßen vorzuführen. Und damit erübrigt sich auch die Diskussion, ob man jemanden wie Strache überhaupt so ein Forum bieten sollte, wo er unter Umständen „gut“ aussteigt. Die Antwort ist „ja, man soll“. Nur leider wurde die Gelegenheit zur geschickten Vorführung nicht effektiv genutzt. Das Meistern dieser Technik erfordert allerdings viel Übung. Deshalb bleiben nur ein schaler Geschmack und ein zorniger Kaiser in der Erinnerung dieser nun eingestellten Sendung zurück. Gerade als es interessant wurde. Und deshalb versagte Palfrader. Leider.

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Kommentare (1)Add Comment
0
Leider vollkommen richtig!
geschrieben von Erlend WOLF, März 23, 2010
Leider hast Du da vollkommen recht!

Das Zerschneiden des Geschenkes war auf dem Niveau Straches: ich denke da nur an seine Auseinandersetzung mit LH Dörfler am Rande eines Events, wo er diesen plötzlich siezte und trotz des Versuches der Beruhigung und Freundlichkeit Dörflers ihn anlaßlos denkbar schlecht behandelt hatte.
Der einzig gute Punkt war jener, wo Palfreider alias Kaiser die Studie der Lebensqualität, wo Wien nicht nur wieder am Stockerl, sondern sogar diesmal on top war, ansprach und dann Strache fragte, was er denn da ändern wolle.

Dabei wäre es gerade so wichtig, Strache, Westenthaler, Scheuch-Brüder u. nicht zuletzt auch Rosenkranz ihre Niveaulosigkeit zu zeigen.
Ich hoffe nur, dass bei der Präsidentenwahl genug hingehen, um gegen Rosenkranz zu wählen, sonst bekommen sie ein Erfolgs-Stigma für die Wr. Wahl, und in beiden Fällen ist ein Erfolg der FPÖ gefährlich.

LG E.

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 28. April 2010 um 17:50  

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