Mario Herger

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Brüllende Büchereien

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Als nächsten Vortragenden möchten wir den ordentlichen Universitätsprofessor DDr. phil. Mag. Gottfried Flötelklöt willkommen heißen.

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Fachpresse!

Ich danke ihnen für ihr augen- und ohrenscheinliches Interesse an einer vorläufigen Studie, die unter meiner Leitung am Institut für Komposition und Elektroakustik der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien durchgeführt wurde.

Wie sie sicherlich den Medien entnehmen konnten, häuften sich in letzter Zeit Beschwerden über den Lärmpegel in den der Universitätsbibliothek angrenzenden Gebäuden. Massenweise fanden sich lärmgeplagte Bürger mit Gehörschäden in den Krankenhäusern der Umgebung ein. Etliche Anwohner zogen es bereits auch vor, in ruhigere Stadtteile umzusiedeln, und Ruheinseln aufzusuchen, wie sie nahe des Internationalen Flughafens oder neben den glücklicherweise zahlreichen Stadtautobahnen und Kindergärten vorgefunden werden können.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 14. Oktober 2008 um 19:30
 

Österreichische Nekrofilmie

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Meine Freundin Natasha ist Russin. Ist das an sich schon anstrengend genug, so ist sie obendrein noch eine leidenschaftliche Kinogeherin. Seit Jahren sind die Freitagabende für sie einzig und allein dazu da, vor den Kinos in San Francisco Schlange zu stehen, um die neuesten Hollywoodschinken noch am Erscheinungstag zu sehen. Kein Fehler im Plot, kein noch so schlechter Schauspieler und keine negative Filmkritik kann sie davon abbringen, mich in die Kinosäle zu schleifen.
Die Filme, die wir im Kino nicht sehen können, werden später gnadenlos im Heimkino auf DVD betrachtet. Nur in Guerillaaktionen gelingt es mir, ab und zu einen französischen Spielfilm in den DVD-Spieler zu schieben.
 

Die Ehrenwerte Frühstücksgesellschaft

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Sonntags traf ich zufällig meinen alten Freund Michi am frühen Vormittag in der Stadt. Fast wäre er an mir vorbeigelaufen. Wer Michi besser kennt weiß, dass ihn nur ein außergewöhnlicher Grund zu dieser Stunde aus dem Bett bringen konnte.
Seine Mutter hatte über die Jahre alles versucht, ihn zu früherem Aufstehen zu bewegen. Anfangs hatte sie noch listig den Duft von Frühstückskipferln und Erdbeerkuchen in sein Zimmer gleiten lassen, später ließ sie vor dem Haus Straßenarbeiter mit den lautesten Schlagbohrern auffahren und zuletzt sogar einen ausgedienten Schleudersitzmechanismus unter seiner Schlafstätte einbauen. Alles vergebens. Das Bett wurde später zwei Straßen weiter gefunden, aber Michi lag ruhig schlafend auf dem Perserteppich in seinem Zimmer. Es schien fast zu sein, als ob in seinem Zimmer die Naturgesetze Kapriolen schlugen und ihn Schwerkraft, Bettdecke, Zeit und Raum ans Bett fesselten.
Mit anderen Worten: Michi war nicht wirklich ein Morgenmensch.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 14. Oktober 2008 um 19:23
 


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