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| Wie man würdevoll in ein Hundstrümmerl steigt |
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WienDie vielen Kaugummiflecken vor den Würstelständen und Eissalons, die sich auf dem teuren Granitpflaster der Mariahilferstrasse tummeln, stellen ein Zeichen des gastronomischen Erfolges dar. Eingeweihte und anonyme Testesser können schon von weitem die Qualität und den Kundenkreis erkennen. Die ausgekauten und von ihren Geschmacksstoffen fachmännisch befreiten Restgummibestände wurden und werden von den Wienern, die sehr stolz auf ihre Stadt sind, mit großer Selbstverständlichkeit wiederverwertet, bevor man ein Eisstanitzel oder ein Würstel mit Semmel bestellt. Was bietet sich für eine künstlerische Stadt wie Wien besser an, als ein Kunstprojekt? »Spit Art« war geboren und die Wiener formten in dem Dauerkunstprojekt ein Kunstwerk am Boden.
Zuckerfreier Wrigley Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack, von der Altersschicht zwischen 25 und 40 bevorzugt, eignet sich besonders für die dünkleren Schattierungen, während die von Kindern und Jugendlichen beliebten Hubba Bubbas mit den kleinen Comicstreifen, mehr die helleren bis bunteren Farbtöne einbringen. Die älteren Bevölkerungsschichten tragen nur unwesentlich dazu bei, da die früher so beliebten Haftgummis schon vor Jahren fast zur Gänze von der Haftcreme abgelöst wurde.
Die Kaugummifleckendichte ist, wie uns wissenschaftlich von Gourmetführern bestätigt wurde, direkt proportional zur Güte des Etablissements. Und wenn nicht, dann hatte es zumindest die meisten Kunden.
Man sollte es nicht glauben, aber die solcherart von der Bevölkerung zur Schau gestellte Solidarisierung mit und in die eigene Hand genommene Kunst im öffentlichen Raum, wird von anderen schamlos ausgenutzt, um nicht zu sagen, sabotiert. Zwischen den gräulichen Kaugummiflecken verschwindet chamäleonartig immer wieder ein Verdauungsprodukt des gemeinen Wuffwuffiens, besser bekannt unter dem populärwissenschaftlichen Begriff Koeter vulgaris.
Nähert sich nun ein Spontankünstler einem Eissalon und greift mit nonchalanter Geste in den Rachenraum, um das künstlerische Puzzlesteinchen zu entnehmen und seinem eigentliche Zweck zuzuführen, so muss er damit rechnen, von einem als Kaugummifleck getarnten Hundstrümmerl attackiert zu werden. Dies spielt sich in Wien in der Regel in drei Stufen ab:
In der ersten Stufe lauert das Hundstrümmerl auf seine Chance und schmuggelt sich unerwartet und vor allem plötzlich unter die Schuhe. Es bevorzugt dabei einerseits Gehwerkzeuge mit stark profilierten Sohlen oder andererseits seitlich gut ausgeschnittenen Sandalen.
In der zweiten Stufe bemerkt der an der spontanen künstlerischen Aktion verhinderte Wiener die Anwesenheit des caninen Verdauungsproduktes und bricht in lautes Wehklagen und Zähneknirschen aus. Das Wienern angeborene Talent in der Schaffung von blumigen Ausdrücken unter Verbindung musikalischer Elemente kommt dabei vollends zum Erblühen. Einer eingehenderen Erforschung bedarf dabei der bisher geringe Einfluss dieser zweiten Stufe auf die Texte der Wienerlieder.
In der dritten und zugleich letzten Stufe steigern sich der erste und zweite Teil zu einem Trigesang zwischen dem sabotierten Künstler, weiteren vorbeikommenden Spontankünstlern und dem nun auch die Anderen attackierenden und fein verschmierten Saboteur.
Wer also behauptet, Kunst ist tot und alles schon erfunden, der hat noch nie von der Scheißkunst in Wien gehört.









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